16.06.2018 / komba gewerkschaft nrw

komba Reportage: Betriebliches Gesundheitsmanagement - unsere wichtigste Ressource ist das Personal

Oliver Flohr informierte auf der Personal- und Betriebsrätekonferenz in Ratingen über BGM (Foto: © komba gewerkschaft nrw)
Oliver Flohr informierte auf der Personal- und Betriebsrätekonferenz in Ratingen über BGM (Foto: © komba gewerkschaft nrw)

Oliver Flohr ist Beigeordneter unter anderem für Personal und Organisation der Stadt Ratingen. Gesundheit, Motivation und Zufriedenheit der Beschäftigten sind seit mehr als zwölf Jahren seine dringlichsten Themen und sein Antrieb.

Stadthalle Ratingen, Personal- und Betriebsrätekonferenz der komba nrw am 8. Mai. Oliver Flohr betritt die Bühne. Er ist einer der Redner. Mit im Gepäck hat er das, wofür er „brennt“: Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) in der Praxis. Anschaulich, nachvollziehbar und schlüssig gibt er an diesem Tag Einblicke in die Facetten des BGM. Direkt zu Beginn macht er seinen Standpunkt deutlich: „Die Kolleginnen und Kollegen sind unsere wichtigste Ressource.“ Der Funke bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern springt über. Sie erleben Tag für Tag, dass Veränderungen der Arbeitswelt Auswirkungen auf die Gesundheit und Zufriedenheit der Beschäftigten haben.

Oliver Flohr weiß, wovon er spricht. Bei seinem früheren Arbeitgeber – der Gemeinde Lindlar – hat er mit erfolgreichen Maßnahmen viel für die Beschäftigten und für die Attraktivität der Kommune als Arbeitgeber erreicht. Als Personaler hat er nicht nur im Oberbergischen Kreis, sondern auch auf weiteren beruflichen Stationen Veränderungen mitbegleitet. Dabei, und durch seine Zusatzausbildung an der Uni Köln zum Change Manager, hat er gelernt, worauf es bei Weiterentwicklungen ankommt. „Eine offene, faire und transparente Kommunikation ist das A und O. Alle müssen sich mitgenommen fühlen und Ängste sollten ernst genommen werden. Bei jedem Wandel spielt die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Personal- und Betriebsräten eine wesentliche Rolle. Uns verbindet alle, dass wir gesunde, qualifizierte und motivierte Beschäftigte wollen. Daher ist es wichtig, an einem Strang zu ziehen“, betont er.

BGM als umfassender Prozess
Zurück in Ratingen, eine Woche nach der Konferenz. Oliver Flohr erläutert BGM als umfassenden Prozess: „Raucherentwöhnung und Massageangebote sind nette Einzelmaßnahmen, aber das reicht nicht aus. Ohne Konzept kann BGM nicht gelingen. Erst die Verzahnung mehrerer Komponenten führt zum Erfolg.“

Er orientiert sich zur Veranschaulichung gerne an einem Modell des finnischen Soziologen Juhani Ilmarinen. So wie die unterschiedlichen Stockwerke in einem Haus verschiedene Funktionen erfüllen, gibt es im BGM verschiedene Komponenten, die das große Ganze ergeben. Es geht dabei natürlich um Gesundheit, aber auch um Kompetenz. Dazu gehört beispielsweise der kontinuierliche Wissenserwerb. Wichtig sind außerdem Werte im Umgang miteinander sowie die Betrachtung der Arbeitsprozesse und ein gutes Führungsverhalten. Unternehmens- und Führungskultur, so zeigt es seine Erfahrung, haben unmittelbare Auswirkungen auf die Motivation und den Krankenstand des Personals. „Nur, wenn alle Stockwerke berücksichtigt werden, funktioniert das System. Bei einem Haus wird ja auch keine grundlegende Etage einfach weggelassen“, erklärt er. Das heißt jedoch nicht, dass alle Handlungsfelder gleich stark im Fokus stehen müssen. Die jeweilige Situation vor Ort setzt die Schwerpunkte des BGM.

Angebotsvielfalt nutzen
Betriebliches Gesundheitsmanagement hat demnach mehr zu bieten als nur Kurse. Als besonderes Angebot erhalten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Lindlar beispielsweise eine Sozialberatung. Individuell werden sie so bei Belastungen von einem externen Berater vertraulich unterstützt. Eine betriebliche Krankenversicherung zu günstigen Konditionen – ohne vorherige Gesundheitsprüfung – und der Zugang zu einem Medizinportal für die schnellere Vermittlung von Facharztterminen gehören dort ebenfalls zum BGM-Paket. „Solche Angebote sind unbezahlbar. Nach anfänglicher Skepsis konnte ich sowohl die Arbeitgeber- als auch die Beschäftigtenseite sowie die Politik überzeugen, dass derartige Veränderungen sinnvoll sind“, freut sich Oliver Flohr über den Erfolg, für den die Gemeinde bereits einige Auszeichnungen erhielt. In Ratingen möchte er diesen Weg nun fortsetzen.

Egal, um welche Kommune es geht. Die Herausforderungen sind überall ähnlich. „Gute Leistung kann eine Kommune nur erbringen, wenn sie qualifiziertes und gesundes Personal hat“, weiß der engagierte Beigeordnete. Oliver Flohr, das wird deutlich, lebt für das, was er tut. Daher freut er sich, wenn sich seine Begeisterung und Überzeugung auf andere überträgt: „Niemand muss das Rad neu erfinden. Ich habe beispielsweise in vielen Bereichen Erfahrungen gesammelt oder Rahmenverträge geschlossen, von denen andere Kommunen profitieren können.“