Jugend

Die gegenwärtige Situation junger Beschäftigter im öffentlichen Dienst ist zum großen Teil gekennzeichnet von Ausbildungsplätzen ohne Chance auf Weiterbeschäftigung, Stellenabbau, unterfinanzierter Alters- und Krankenversorgung und Leistungskürzungen - um nur einige Beispiele zu nennen.

Es gilt jedoch, nicht nur an heute und sich selbst, sondern nachhaltig auch an die nachfolgende Generation zu denken. Der gewerkschaftliche Grundgedanke ist Solidarität. Und diese muss nicht nur gegenüber den vorhandenen Kolleginnen und Kollegen praktiziert werden, sondern auch gegenüber jenen von morgen – zumal wir sie erhobenen Hauptes in unseren Reihen willkommen heißen möchten.

Wir wollen dafür sorgen, dass auch die Arbeitgeber und Dienstherren erkennen: Nur wer eine attraktive Ausbildung und einen anschließenden unbefristeten und sicheren Arbeitsplatz mit Perspektiven anbietet, wird in der Nachwuchsgewinnung erfolgreich sein und motivierte Arbeitskräfte mit einer insgesamt ausgewogenen Altersstruktur vorhalten können.

Eine Berufsausbildung ist die Voraussetzung für eine Perspektive in der Zukunft. Jungen Menschen mit einem Ausbildungsplatz den Start ins Berufsleben zu ermöglichen, ist nicht nur für die Jugendlichen, sondern auch für die Ausbildungsbetriebe von Bedeutung.

Ausbilden im Betrieb:

  • sichert den zukünftigen Fachkräftebedarf,
  • schafft motivierte, im eigenen Betrieb erprobte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,
  • reduziert Fluktuation und Fehlbesetzungen,
  • erspart langwierige Einarbeitungszeiten neuer Kräfte,
  • erhöht die Flexibilität und die Innovationsfähigkeit,
  • verjüngt die Belegschaft,
  • gibt positive Impulse für die Gestaltung der Weiterbildung,
  • trägt zu einem positiven Imagegewinn als Ausbildungsbetrieb bei,
  • bedeutet produktive Arbeit des Auszubildenden und
  • leistet einen Beitrag zur gesellschaftlichen Integration der Jugendlichen.


Allerdings müssen die Anstrengungen für die Nachwuchsgewinnung verstärkt werden. Die Attraktivität von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen im Öffentlichen Dienst muss verbessert und zeitgemäß kommuniziert werden. Auch die Qualität der Ausbildung muss stimmen. Denn nur eine fundierte, zeitgemäße Ausbildung kann eine gute Grundlage für den Einstieg in den Beruf darstellen. Dazu gehört, dass die Ausbilder sowohl über die notwendigen berufs- und arbeitspädagogischen Kenntnisse verfügen sowie ausreichend Zeit für die Ausbildertätigkeit zur Verfügung haben.

Die duale Ausbildung in den Lernorten Betrieb und Berufsschule hat sich bewährt, auch weil sie einen großen Praxisbezug gewährleistet. Sie sollte deshalb nicht nur beibehalten, sondern auf weitere Berufe ausgeweitet werden. Eine Verdrängung der dualen Ausbildungsberufe zugunsten externer wissenschaftlicher Ausbildungsgänge sollte nicht voreilig vorangetrieben werden. Vielmehr sollten den Absolventen anerkannter Ausbildungsberufe ergänzende Qualifizierungsangebote offenstehen, um weitergehende Funktionen zu übernehmen.

Die komba gewerkschaft spricht sich dafür aus, dass die Ausbildung der Anwärterinnen und Anwärter in Verwaltungsfachhochschulen als verwaltungsinterne Bildungseinrichtungen stattfindet.
Eine Integration in die allgemeine Hochschullandschaft ist der falsche Weg, der unter anderem bedeuten würde:

  • Auflösung der Verwaltungsfachhochschulen
  • Keine ausreichende Anbindung an Dienstherren
  • Kein Anwärterstatus und keine Anwärterbezüge
  • Fehlender Praxisbezug in der Ausbildung
  • Gefahr einer über drei Jahre hinausgehenden Studienzeit
  • Unsicherheit über die Zukunft nach dem Studium
  • Gefährdung der Nachwuchsgewinnung


Die Umstellung der Studienabschlüsse auf das modulare System von Bachelor und Master gibt die Gelegenheit, auch bei den Studiengängen für Beamtinnen und Beamten mehr Durchlässigkeit zu schaffen. Dabei sollte flächendeckend ein berufsbegleitender Aufbaustudiengang zum Erwerb des Mastergrades angeboten werden. Nach der erfolgreich abgeschlossen Ausbildung muss eine Übernahme das Ziel sein. Entsprechend der jeweiligen Ausbildung und Berufsentscheidung sollten Auszubildende in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis und Anwärter in ein Beamtenverhältnis übernommen werden.

Für eine Übernahme sprechen viele Argumente:

  • Motivation der Nachwuchskräfte während der Ausbildung: Azubis sowie Anwärterinnen und Anwärter, die wissen, dass sie für einen tatsächlichen Einsatz in der Verwaltung lernen, sind motiviert. Die Verwaltungen werden von einer positiven Grundstimmung profitieren können.
  • Aufgabengerechte Personalausstattung sicherstellen: Es passt nicht zusammen, dass den Verwaltungen immer mehr Aufgaben zugewiesen werden und dass sich Überstundenberge auftürmen und der Personalbestand um junge Kräfte, die über einen aktuellen Wissensstand verfügen, reduziert wird.
  • Verwaltungsmodernisierung fördern Steigerung der Wirtschaftlichkeit und Bürgernähe sind wichtige Themen. Das wird leichter möglich sein mit Personal, das mit Einsatzbereitschaft, Engagement und Flexibilität für frischen Wind sorgt.
  • Finanzielle Erwägungen: Eigentlich können es sich die Verwaltungen nicht leisten, viel Geld in die Ausbildung zu investieren und die Azubis dann auf die Straße zu setzen. Die Erträge der „Investition Ausbildung“ sollten nicht verschenkt werden.
  • Soziale Erwägungen: Mit dem Angebot von Ausbildungsplätzen übernehmen die Verwaltungen Verantwortung für eine Zukunft der Auszubildenden mit Perspektiven. Dieser Verantwortung werden Verwaltungen, die keine Übernahme anbieten, nicht gerecht. Es ist alles andere als fürsorglich, wenn die Fürsorgepflicht mit dem Ende der Ausbildung für beendet erklärt wird.
  • Vorbildfunktion für die Privatwirtschaft: Bei der Verhinderung von Jugendarbeitslosigkeit müssen alle Kräfte gebündelt werden. Appelle an die Privatwirtschaft sind nur glaubwürdig, wenn der Öffentliche Dienst eine Vorbildfunktion einnimmt.
  • Bessere Chancen durch Praxiserfahrung: Durch eine Übernahme können Nachwuchskräfte Kenntnisse und Fertigkeiten aufrecht erhalten und weiter entwickeln. Das bedeutet bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.
  • Maßgeschneiderter Nachwuchs: Die Nachwuchskräfte sind bereits in die Verwaltung eingegliedert und kennen sich bereits mit dem Aufbau, den Abläufen und den Erwartungshaltungen aus.
  • Imageverbesserung für die Verwaltungen: Verwaltungen, die ihren Nachwuchskräften Sicherheit und Zuverlässigkeit bieten, werden ähnlich positive Werte bezüglich ihrer Aufgabenerfüllung festigen können.
  • Gesicherte Übernahme sichert qualifizierte Bewerber /-innen. Verwaltungen mit dem Ruf, nach der Ausbildung einen Arbeitsplatz zu bieten, werden ihre Nachwuchskräfte aus einem Angebot hoch qualifizierter Bewerber/-innen aussuchen können. Gerade in diesem Bereich gibt es immer mehr Probleme.


Über Zukunftsinvestitionen wird oft gesprochen, sie müssen aber auch praktiziert werden. Die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Familien mit Kindern sowie die Förderung von Kindern und Jugendlichen sind im wahrsten Sinne des Wortes Zukunftsinvestitionen. Die Bildung – und das schließt die Ausbildung mit ein – spielt hier eine besondere Rolle. Nur wer die Chance hat, sich zu qualifizieren, stellt eine Chance für die Gesellschaft und die Volkswirtschaft dar, sie zu bereichern. Und diese Chance sollten wir nutzen. Denn das Bild einer Jugend, die nur Spaß haben möchte oder für die Ellenbogengesellschaft trainiert, ist falsch. Eine gewisse Politikverdrossenheit ist sicher vorhanden, aber nicht nur bei der Jugend. Junge Menschen wollen sich sehr wohl engagieren. Dabei steht das politische Engagement im traditionellen Sinne nicht unbedingt an erster Stelle. Oftmals ist das Engagement im näheren sozialen Umfeld, wo die Betroffenheit von Problemen und auch von Lösungen sichtbarer ist, populärer. Die Jugend will über Art und Ausmaß ihres Engagements selbst entscheiden. Sie braucht dafür allerdings die notwendigen Freiräume. Nur wenn diese vorhanden sind, wird Verantwortung übernommen, erfolgt Teilhabe, Partizipation und Akzeptanz.

Die komba gewerkschaft geht dabei mit gutem Beispiel voran. Wir werfen bei unserer Arbeit mit Unterstützung der komba jugend stets die Belange der Jugend mit in die Waagschale. Wir ermöglichen es den jungen Mitgliedern auch, sich für genau die Dinge einzusetzen, die sie als wichtig und interessant ansehen.

Infos:


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