10.08.2017 / komba gewerkschaft

„Frau, trau’ Dich!“: Interview mit Ines Kirchhoff

© Studioline Photography
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Vorsitzende der komba gewerkschaft hamburg

Wie bist Du zur komba gewerkschaft gekommen?

Ines Kirchhoff: Ende 2009 habe ich als Verwaltungsbeamtin in der Schulbehörde Hamburg im Sachgebiet für Baumaßnahmen an Schulen gearbeitet. Im Zuge einer Umorganisation wurden wir in ein Sondervermögen überführt und ich entschied mich, als Personalrätin dabei mitzuwirken, dass für meine Kolleginnen und Kollegen keine Nachteile entstehen. Da das nicht ohne eine starke Gewerkschaft im Rücken geht, gab es für mich nur eine Alternative: die komba gewerkschaft hamburg!

Wie bist Du zu Deiner derzeitigen Funktion gekommen??

Ines Kirchhoff: Als Vorsitzende des Personalrates habe ich ab 2010 im Arbeitsausschuss der Personalräte im dbb hamburg mitgewirkt und konnte in diesem Gremium mit meinen langjährigen beruflichen Erfahrungen wesentlich zu einer zielführenden Gewerkschaftsarbeit beitragen. Zwei Jahre später wurde ich als stellvertretende Vorsitzende in die Landesleitung der komba gewerkschaft hamburg nachgewählt. 2013 wählte mich der Landesgewerkschaftstag der komba hamburg als erste Frau in der Gewerkschaft zur Vorsitzenden und im Mai dieses Jahres bestätigte mich der Landesgewerkschaftstag in meinem Amt als Vorsitzende mit überwältigender Mehrheit.

Wie bringst Du die Tätigkeit für die komba gewerkschaft in Deinem Leben unter?

Ines Kirchhoff: Ich bin als Vorsitzende der komba hamburg hauptamtlich tätig, das erleichtert mir im gewissen Sinne die Vereinbarkeit von gewerkschaftlichen Engagement und Privatleben nicht unwesentlich. Glücklicherweise unterstützt mich meine Familie in meinem Amt; sie hat volles Verständnis, wenn Termine bis spät in den Abend oder auch am Wochenende wahrgenommen werden müssen.?Wichtig ist mir auch, Mußestunden für private Kontakte und für den sportlichen Ausgleich einzuplanen. 

Wie hat die Tätigkeit für die komba gewerkschaft Dein Leben verändert?

Ines Kirchhoff: In der Zwischenzeit habe ich sehr viel Grundlegendes über die Rolle der Gewerkschaften, die Funktion des öffentlichen Dienstes sowie ihrer politischen Verantwortlichen, über verschiedene Rechtsgebiete wie Beamtenrecht, Tarif- und Arbeitsrecht lernen müssen, um als Verhandlungspartnerin auf Augenhöhe, z. B. in Sitzungen und auf Personalversammlungen, bestehen zu können. Das bedeutet nicht nur ständige Weiterbildung und Besuche von gewerkschaftspolitischen Seminaren, sondern auch erheblichen Zeitaufwand für die Vor- und Nachbereitung. Vor allem möchte ich auf die vielen Gespräche mit Kolleginnen und Kollegen aus den vielen Dienststellen nicht verzichten, entsprechend unserem Motto: Nähe ist unsere Stärke!??

Was macht Dir daran besonders Spaß? Was ist Dir wichtig?

Ines Kirchhoff: Unendlich wichtig ist mir der Kontakt zu den Menschen, mit denen ich tagtäglich in meiner Tätigkeit als Vorsitzende zu tun habe. Zufriedenheit und Freude bereitet es mir, wenn wir in den gewerkschaftlichen Gremien etwas bewegen konnten, wenn ein Streik gut gelaufen ist und ein (wenn auch kleiner) Erfolg in den Tarifverhandlungen erzielt wurde. Nur gemeinsam kann man etwas bewegen! 

Was wünschst Du Dir für die Zukunft?

Ines Kirchhoff: Mehr Kolleginnen und Kollegen, die erkennen, wie wichtig die Mitgliedschaft in einer Gewerkschaft ist und dass man nur gemeinsam etwas bewegen kann.?Dass Männer, Frauen und gesundheitlich eingeschränkte Personen gleichberechtigt behandelt werden und dass jeder entsprechend seiner Eignung einen gut ausgestatteten Arbeitsplatz bekommt. So auch geregelt im Artikel 3 des Grundgesetzes.

Würdest Du Dich noch einmal für diese Tätigkeit bzw. dieses Amt entscheiden?

Ines Kirchhoff: Uneingeschränkt - ja! Und ich möchte allen Frauen den Rat geben, traut und engagiert euch!

Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen: Ihr werdet es nicht bereuen.