25.01.2018 / komba gewerkschaft

Auswertung der Umfrage zur Situation im Allgemeinen Sozialen Dienst (ASD)

Für viele Probleme gibt es keine schwarz-weiß Lösungen!

© komba gewerkschaft
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Der Sozial- und Erziehungsdienst spielt in der öffentlichen und tarifpolitischen Diskussion eine große Rolle. Das wird mit Blick auf die sichtbaren Herausforderungen auch so bleiben. Dabei muss jedoch eine Berufsgruppe, die es bislang schwer hatte, mit ihren Anliegen insbesondere auf der Arbeitgeberseite ganz nach vorn zu dringen, stärker in den Fokus kommen: der Allgemeine Soziale Dienst (ASD).

Im Bundesfachbereich Sozial- und Erziehungsdienst der komba gewerkschaft wurde deshalb die Idee umgesetzt, eine Umfrage bei den Kolleginnen und Kollegen im Allgemeinen Sozialen Dienst durchzuführen. Dabei ging es darum, bundesweit Rückmeldungen zur Arbeitssituation und zu den Wünschen der Beschäftigten zu erhalten. So ist ein Überblick entstanden, der die Sichtweise der komba gewerkschaft teilweise bestätigt, gleichzeitig den Blick auf vorhandene Rahmenbedingungen und damit verbunden die weiterführenden Herausforderungen schärft.

Sandra van Heemskerk, Vorsitzende des Bundesfachbereich Sozial- und Erziehungsdienst und stellvertretende Vorsitzende der komba gewerkschaft, zur Auswertung der Umfrage:

Sandra van Heemskerk (© komba gewerkschaft)
Sandra van Heemskerk (© komba gewerkschaft)

Frau van Heemskerk, die Beteiligung an der Umfrage war groß. Welche Schlussfolgerung ziehe Sie daraus?

Sandra van Heemskerk: Wir freuen uns über diese hohe Beteiligung an unserer Umfrage. Sie zeigt uns, dass den Kolleginnen und Kollegen einige wichtige Themen unter den Nägel brennen, die sie mitteilen wollen. Ebenso zeigt uns die Beteiligung, wie wichtig Veränderungen beziehungsweise Verbesserungen sind. Die umfangreichen Antworten auf unsere Fragen machen zudem deutlich, dass es für viele Probleme keine schwarz-weiß Lösung gibt. Besonders positiv sind uns die Vielzahl an konstruktiven und lösungsorientierten Antworten aufgefallen. Damit können wir gut arbeiten, denn als komba gewerkschaft sind uns der enge Kontakt sowie die Einbindung unserer Mitglieder generell bei der Erstellung von politischen Positionen sowie aktuell in die Forderungsfindung zur Einkommenrunde 2018 sehr wichtig.


Welche Arbeitsbereiche beim Allgemeinen Sozialen Dienst in den Kommunen sollten Ihrer Meinung nach besondere Beachtung finden, wenn es um Verbesserungen der Arbeitssituation für die Kolleginnen und Kollegen vor Ort geht?

Sandra van Heemskerk: Nur einen Arbeitsbereich zu betrachten wäre falsch, denn es geht uns in der Forderung um die Gesamtheit, die Schaffung von verbindlichen Mindeststandards von Rahmenbedingungen im Allgemeinen Sozialen Dienst.

Aber, in unserer Umfrage ist deutlich geworden, dass im Bereich der Fallbearbeitung eine  besondere Brisanz liegt. Eine in den Kommunen festgelegte Fallzahlbegrenzung würde die Arbeitsbelastung erheblich vermindern. Stress und ständiger Druck würden weniger und dadurch auch die psychischen Belastungen, die am Ende meistens in Erkrankungen münden. 

Aber auch hier müssen die anderen betroffenen Bereiche mit berücksichtig werden, da alles miteinander verzahnt ist.  

Die Auswertung verdeutlicht die hohe Arbeitsbelastung, die unter anderem aus Mangel an Personal, durch einen hohen Krankenstand, hoher Fluktuation, den Bereitschaftsdienst, Gewaltandrohungen und hohen Bürokratieaufwand entsteht. Welche Forderungen an Arbeitgeber und Politik werden Sie daraus stellen?

Sandra van Heemskerk: Eine unserer Hauptforderungen geht in Richtung Personalpolitik. Eine ausreichende Personalbemessung, die Zeiten wie Urlaub, Fortbildung und Krankheit berücksichtigt, sowie Zeitkapazitäten für unspezifische Aufgaben sind das Fundament für gute Arbeitsbedingungen. Dazu kommen räumliche und technische Ausstattungen, die auch wesentlich dazu beitragen.

Der demographische Wandel wird vor dem Allgemeinen Sozialen Dienst keinen Halt machen. Dabei sind Arbeitgeber und Politik dafür verantwortlich, dass dieser gesellschaftlich wichtige Aufgabenbereich so attraktiv gestaltet wird, dass trotz Fachkräftemangels kein Kollaps des Systems eintritt. 

Das Ansehen des wichtigen Stellenwertes des Allgemeinen Sozialen Dienstes in der Gesellschaft muss in der Öffentlichkeit ins Positive umgewandelt werden. Auch hierzu können Arbeitgeber und Politik viel beitragen!   

Wird und wenn ja wie wird das Thema „bessere Bezahlung und Wertschätzung“ der Kolleginnen und Kollegen beim Allgemeinen Sozialen Dienst auch Thema in den kommenden Einkommensrunden  sein?

Sandra van Heemskerk: In den Einkommensrunden werden wir uns auch zukünftig dafür einsetzen, dass durch eine bessere Bezahlung eine angemessene Wertschätzung zum Ausdruck kommt. 

Wertschätzung erreichen wir aber nicht nur durch eine bessere Bezahlung, sondern insbesondere auch durch die Festlegung von Mindeststandards und guten Rahmenbedingungen. Es liegt nun an den Arbeitgebern und der Politik zu zeigen, wie wichtig ihnen die Wertschätzung der Beschäftigten im Allgemeinen Sozialen Dienst ist!

Gute Rahmenbedingungen, die eine ausreichende Personalbemessung beinhaltet, sowie Standards für eine räumliche und technische Ausstattung sind die Grundlage um Kolleginnen und Kollegen gesund im Beruf zu halten und sind in Kombination mit der Bezahlung wichtig, um den Bereich attraktiv für junge Menschen zu gestalten.

Wir werden uns in der kommenden Einkommensrunde für die am Tariftisch zu verhandelnden Forderungen einsetzen und in Gesprächen mit der Politik für die Verbesserung der Rahmenbedingungen. Für beides benötigen wir aber immer auch die Unterstützung der Kolleginnen und Kollegen, ob auf der Straße bei Demonstrationen oder (Warn-)streiks oder vor Ort bei Gesprächen mit der Politik.